Worum geht es?
KLARpsy-Texte bereiten Forschungsergebnisse aus der Psychologie für die Öffentlichkeit auf. Dieser KLARpsy-Text wurde von Mitarbeitenden des Leibniz-Instituts für Psychologie verfasst. Der KLARpsy-Text fasst die Übersichtsarbeit mit dem Titel Do Sports Programs Prevent Crime and Reduce Reoffending? A Systematic Review and Meta-Analysis on the Effectiveness of Sports Programs zusammen. Diese Übersichtsarbeit beinhaltet eine Metaanalyse. Die Übersichtsarbeit wurde 2021 veröffentlicht. Sie stammt von Irina Jugl und zwei weiteren Forschenden von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und der Universität von Cambridge.
Was war das Ziel der Übersichtsarbeit?
Hintergrund:
Sportprogramme werden häufig eingesetzt, um Kriminalität und Gewalt vorzubeugen. Sport soll soziale Fähigkeiten wie Teamfähigkeit und Fairness fördern, das Selbstvertrauen stärken und von kriminellem Verhalten abhalten. Obwohl Sportprogramme weit verbreitet sind, ist bislang unklar, wie gut sie tatsächlich dabei helfen, kriminelles Verhalten zu verhindern.
Forschungsfrage:
Mit ihrer Übersichtsarbeit wollten die Forschenden herausfinden: 1) Wie gut helfen Sportprogramme, um kriminellem Verhalten vorzubeugen und die
Wie sind die Forschenden in der Übersichtsarbeit vorgegangen?
Welche Studien haben die Forschenden für die Übersichtsarbeit gesucht?
Die Forschenden wollten herausfinden, ob Sportprogramme helfen, kriminellem Verhalten vorzubeugen. Dafür suchten sie nach Studien, die speziell entwickelte Sportprogramme gegen Kriminalität untersuchten. Allgemeine Angebote in Sportvereinen, Kampfsportangebote sowie Outdoor- und Abenteuerprogramme wurden dabei nicht berücksichtigt. Das liegt daran, dass die Forschenden nur solche Programme betrachten wollten, die sich ausdrücklich zum Ziel gesetzt haben, gegen kriminelles Verhalten zu helfen. Die Teilnehmenden konnten aus der Allgemeinbevölkerung stammen, zu einer Gruppe mit erhöhtem Risiko für kriminelles Verhalten gehören oder bereits straffällig geworden sein.
Welche Studien haben die Forschenden für die Übersichtsarbeit gefunden?
Die Forschenden fanden insgesamt 13 Studien aus den Jahren 2007 bis 2020, deren Ergebnisse sie mit einer Metaanalyse zusammenfassen konnten. Insgesamt sind das Studienergebnisse von 3 137 Teilnehmenden zwischen 7 und 59 Jahren. Von den 13 Studien untersuchten 10 kriminelles Verhalten und 8 die
Was haben die Forschenden in der Übersichtsarbeit untersucht?
Die Forschenden untersuchten unter anderem folgenden Merkmale:
-
Teilnahme an einem Sportprogramm
- Ja
- Nein
-
Kriminelles Verhalten
- Zum Beispiel: Aggression, gewalttätiges Verhalten, erneute Straffälligkeit
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Psychische Gesundheit
- Zum Beispiel:
Selbstwertgefühl , psychisches Wohlbefinden, Stress,depressive Beschwerden
- Zum Beispiel:
-
Merkmale des Sportprogramms
- Sportart: Einzelsportarten, Teamsport
- Ort: Schule, Gemeinde, Sportverein, Gefängnis
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Merkmale der Teilnehmenden
- Alter
- Geschlecht
Hinweis der KLARpsy-Autor:innen
Sollten Ihnen Begriffe in diesem Abschnitt nicht vertraut sein, finden Sie eine Erklärung im KLARpsy-Wörterbuch.
Was sind die wichtigsten Ergebnisse?
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Sportprogramme halfen dabei, kriminelles Verhalten zu verringern. Das Maß für den Unterschied
d betrug 0.36. Das ist ein kleiner Unterschied zwischen Personen, die an einem Sportprogramm teilnahmen und denen, die nicht teilnahmen. Umgerechnet auf 100 Personen bedeutet dies: 64 der Teilnehmenden zeigten oder berichteten nach dem Sportprogramm weniger kriminelles Verhalten als der Durchschnitt der Personen, die kein Training machten. -
Weder die Merkmale des Sportprogramms noch die Merkmale der Teilnehmenden beeinflussten den Unterschied im kriminellen Verhalten bedeutsam.
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Sportprogramme halfen auch dabei, die
psychische Gesundheit zu verbessern. Das Maß für den Unterschied d betrug 0.87. Das ist ein großer Unterschied zwischen Personen, die an einem Sportprogramm teilnahmen und denen, die nicht teilnahmen. Umgerechnet auf 100 Personen bedeutet dies: 81 der Teilnehmenden in Sportprogrammen berichteten eine bessere psychische Gesundheit als der Durchschnitt der Personen, die kein Training machten. -
Das Alter der Teilnehmenden beeinflusste den Unterschied in der psychischen Gesundheit. Studien mit Erwachsenen zwischen 20 und 59 Jahren zeigten mit d = 1.80 insgesamt größere Unterschiede als Studien mit Kindern und Jugendlichen unter 17 Jahren mit d = 0.16. Umgerechnet auf 100 Personen bedeutet dies: 96 der älteren Teilnehmenden und 56 der jüngeren Teilnehmenden an Sportprogrammen berichteten eine verbesserte psychische Gesundheit als der Durchschnitt der Personen, die kein Training machten.
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Weitere Merkmale der Teilnehmenden oder des Sportprogramms hatten keinen bedeutsamen Einfluss auf diesen Unterschied.
Welchen Alltagsbezug sehen die Forschenden in der Übersichtsarbeit?
Sportprogramme werden in der Praxis besonders in Gefängnissen und Schulen eingesetzt, um kriminellem Verhalten vorzubeugen. Dabei thematisieren die Programme konkretes Alltagsverhalten wie den Umgang mit Aggression oder Stress. So können sie dazu beitragen, dass Kriminalität und Rückfälle zurückgehen und sich die psychische Gesundheit verbessert. Dass die Programme bei Erwachsenen ab 20 Jahren die psychische Gesundheit deutlicher verbessern als bei Kindern und Jugendlichen, erklären sich die Forschenden damit, dass ältere Teilnehmende möglicherweise besonders von positiven Erfahrungen durch Sport profitieren konnten. Zum Beispiel, wenn sie solche Erfahrungen lange nicht gemacht haben oder durch eine längere Inhaftierung bisher weniger Möglichkeiten hatten, ihr psychisches Wohlbefinden zu stärken.
Wie lassen sich die Ergebnisse einordnen?
Was ist die Ursache für die Ergebnisse?
In der Übersichtsarbeit wurden mehrere Unterschiede im kriminellen Verhalten und in der
Sind die Ergebnisse durch Publication Bias verzerrt?
Die Forschenden fanden keine Hinweise auf
Wie zuverlässig sind die Ergebnisse?
Die Forschenden geben zu bedenken: Es gab insgesamt nur wenige Studien zu dem Thema. Zudem wurden in den einzelnen Studien sehr unterschiedliche Merkmale des kriminellen Verhaltens erfasst. Dadurch können die Ergebnisse der Übersichtsarbeit stark von einzelnen Studien beeinflusst sein. Auch war die Qualität einiger Studien gering, was die Aussagekraft der Ergebnisse einschränkt.
Was ist noch zu beachten?
Wer hat die Übersichtsarbeit finanziert?
Die Erstellung der Übersichtsarbeit wurde nicht durch Dritte, zum Beispiel Stiftungen oder Unternehmen, finanziell gefördert oder unterstützt.
Berichten die Forschenden in der Übersichtsarbeit eigene Interessenkonflikte?
Die Forschenden machen keine Angaben dazu, ob bei ihnen ein