Worum geht es?
KLARpsy-Texte bereiten Forschungsergebnisse aus der Psychologie für die Öffentlichkeit auf. Dieser KLARpsy-Text wurde von Mitarbeitenden des Leibniz-Instituts für Psychologie verfasst. Der KLARpsy-Text fasst die Übersichtsarbeit mit dem Titel A systematic review and meta-analysis on adverse childhood experiences: Prevalence in youth offenders and their effects on youth recidivism zusammen. Diese Übersichtsarbeit beinhaltet eine Metaanalyse. Die Übersichtsarbeit wurde 2023 veröffentlicht. Sie stammt von Belinda Astridge und drei weiteren Forschenden von der James Cook University aus Australien und einem weiteren Institut.
Was war das Ziel der Übersichtsarbeit?
Hintergrund:
Jugendliche, die schon einmal eine Straftat begangen haben, berichten häufiger von
Forschungsfrage:
Mit ihrer Übersichtsarbeit wollten die Forschenden herausfinden: Wie häufig haben straffällig gewordene Jugendliche belastende Kindheitserfahrungen erlebt? Wie hängen solche Erfahrungen damit zusammen, ob die Jugendlichen rückfällig werden?
Wie sind die Forschenden in der Übersichtsarbeit vorgegangen?
Welche Studien haben die Forschenden für die Übersichtsarbeit gesucht?
Die Forschenden wollten herausfinden, wie viele der straffällig gewordenen Jugendlichen
Welche Studien haben die Forschenden für die Übersichtsarbeit gefunden?
Die Forschenden fanden 31 Studien mit insgesamt 423 972 Teilnehmenden. 24 Studien wurden in den USA und je zwei Studien in Kanada und der Schweiz durchgeführt. Je eine Studie kam aus Australien, Japan und Neuseeland.
Was haben die Forschenden in der Übersichtsarbeit untersucht?
Folgende Merkmale wurden von den Forschenden untersucht:
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Haben die Jugendlichen eine oder mehrere dieser belastenden Kindheitserfahrungen erlebt?
- Emotionaler, körperlicher oder sexueller Missbrauch
- Emotionale oder körperliche Vernachlässigung
- Gewalt in der Familie
- Alkoholmissbrauch oder Drogenmissbrauch in der Familie
- Psychische Erkrankungen im Haushalt / in der Familie
- Familienmitglied im Gefängnis
- Trennung oder Scheidung der Eltern
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Rückfälligkeit
- Wurden die Jugendlichen nach der ersten Straftat noch einmal straffällig?
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Mögliche Faktoren, die beeinflussen, ob jemand rückfällig wird
- Geschlecht
- Positive Kindheitserfahrungen
- Starke soziale Bindungen
- Fähigkeit zu
Empathie - Unterbringung als Kind weg von den Eltern
- Probleme mit den eigenen Gefühlen und Verhalten
- Drogen
- Psychische Probleme
- Negative Gefühlslage
Hinweis der KLARpsy-Autor:innen
Sollten Ihnen Begriffe in diesem Abschnitt nicht vertraut sein, finden Sie eine Erklärung im KLARpsy-Wörterbuch.
Was sind die wichtigsten Ergebnisse?
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40% der straffällig gewordenen Jugendlichen berichten von einer oder mehreren
belastenden Kindheitserfahrungen . Das sind etwa vier von zehn straffällig gewordenen Jugendlichen. -
Die am häufigsten berichteten belastenden Kindheitserfahrungen der straffällig gewordenen Jugendlichen waren Gewalt in der Familie, Familienmitglieder im Gefängnis und emotionale Vernachlässigung. 51% der Jugendlichen berichteten von familiärer Gewalt, 48% von Familienmitgliedern im Gefängnis und 43% von emotionaler Vernachlässigung.
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Wenn straffällig gewordene Jugendliche mehrere belastende Kindheitserfahrungen erlebt hatten, wurden sie eher rückfällig. Die
Odds Ratio (OR) betrug 1.97. Das bedeutet: die Wahrscheinlichkeit, wiederholt straffällig zu werden, ist bei straffällig gewordenen Jugendlichen mit belastenden Kindheitserfahrungen etwa doppelt so hoch wie bei straffällig gewordenen Jugendlichen ohne solche Erfahrungen. -
Die Daten deuten darauf hin, dass folgende straffällig gewordenen Jugendlichen eher weniger rückfällig werden: Weibliche Jugendliche; Jugendliche, die auch positive Kindheitserfahrungen berichten; Jugendliche mit starken sozialen Bindungen; Jugendliche, die über die Zeit
empathischer wurden. -
Die Daten deuten außerdem darauf hin, dass folgende Jugendliche eher erneut straffällig werden: Jugendliche, die als Kind untergebracht wurden oder Probleme mit Gefühlen und Verhalten hatten; Jugendliche, die Drogen nehmen; Jugendliche mit psychischen Problemen oder vielen negativen Gefühlen.
Welchen Alltagsbezug sehen die Forschenden in der Übersichtsarbeit?
Die Forschenden erhoffen sich vom Justizsystem, mit passenden Maßnahmen auf die belastenden Kindheitserfahrungen zu reagieren. Man könne die belastenden Kindheitserfahrungen zwar nicht verhindern, aber zumindest deren Einfluss einschränken. Damit würde man dazu beitragen, dass Jugendliche nicht wiederholt straffällig werden.
Wie lassen sich die Ergebnisse einordnen?
Was ist die Ursache für die Ergebnisse?
In der Übersichtsarbeit wurde untersucht, wie häufig straffällig gewordene Jugendliche belastende Kindheitserfahrungen gemacht haben. Wegen der Art der Studien, die berücksichtigt wurden, weiß man nur, dass es diesen Zusammenhang gibt. Man kann nicht sagen, dass das Erleben von belastenden Kindheitserfahrungen das Begehen von Straftaten verursacht.
Sind die Ergebnisse durch Publication Bias verzerrt?
Die Forschenden fanden keine Hinweise auf
Wie zuverlässig sind die Ergebnisse?
Ein Großteil der teilnehmenden Jugendlichen war männlich. Deshalb kann man die Ergebnisse nur schwer auf jugendliche Straftäterinnen übertragen. Außerdem wurden die Studien hauptsächlich in westlichen Ländern, vor allem den USA, durchgeführt. Somit kann man die Ergebnisse nicht auf andere Kulturen übertragen.
Was ist noch zu beachten?
Wer hat die Übersichtsarbeit finanziert?
Die Erstellung der Übersichtsarbeit wurde nicht durch Dritte, zum Beispiel Stiftungen oder Unternehmen, finanziell gefördert oder unterstützt.
Berichten die Forschenden in der Übersichtsarbeit eigene Interessenkonflikte?
Die Forschenden berichten, dass keine