Worum geht es?
KLARpsy-Texte bereiten Forschungsergebnisse aus der Psychologie für die Öffentlichkeit auf. Dieser KLARpsy-Text wurde von Mitarbeitenden des Leibniz-Instituts für Psychologie verfasst. Der KLARpsy-Text fasst die Übersichtsarbeit mit dem Titel Gender differentiates the predictors of an intention to leave the workplace: a meta-analysis of the effort-reward imbalance workplace stress studies zusammen. Diese Übersichtsarbeit beinhaltet eine Metaanalyse. Die Übersichtsarbeit wurde 2024 veröffentlicht. Sie stammt von Monica T. Jones und drei weiteren Forschenden von der La Trobe University aus Australien und der LMU München aus Deutschland.
Was war das Ziel der Übersichtsarbeit?
Hintergrund:
Wenn Angestellte den Job kündigen möchten, kann das für ihr Unternehmen teuer werden: Neues Personal suchen, anstellen und einarbeiten, während das Wissen der vorherigen Angestellten verloren geht. Daher beschäftigen sich Forschende mit der Frage, welche Faktoren dazu beitragen, dass Angestellte kündigen möchten.
Forschungsfrage:
Mit ihrer Übersichtsarbeit wollten die Forschenden herausfinden: Wie hängen Anstrengungen, Belohnungen und Überlastung auf der Arbeit damit zusammen, ob eine Person beabsichtigt, den Job zu kündigen?
Wie sind die Forschenden in der Übersichtsarbeit vorgegangen?
Welche Studien haben die Forschenden für die Übersichtsarbeit gesucht?
Die Forschenden suchten nach Studien mit Teilnehmenden, die in einem Unternehmen arbeiten. In den Studien sollte gemessen worden sein, wie sehr die Teilnehmenden beabsichtigen, den Job zu kündigen. Außerdem sollten entweder die Überlastung oder Belohnungen und Anstrengungen der Teilnehmenden erfasst worden sein. Jede Studie sollte nur Teilnehmende aus einem Berufsfeld untersuchen, damit Angestellte aus verschiedenen Berufsfeldern miteinander verglichen werden konnten.
Welche Studien haben die Forschenden für die Übersichtsarbeit gefunden?
Die Forschenden fanden 23 Studien mit insgesamt 73 671 Teilnehmenden. Der Großteil der Teilnehmenden war weiblich. Drei Studien untersuchten Angestellte aus dem akademischen Bereich, zwölf Studien untersuchten Angestellte aus dem Gesundheitsbereich und fünf Studien Angestellte aus dem Bildungsbereich. In den weiteren Studien wurden Jurist:innen, Manager:innen und Soldat:innen untersucht.
Was haben die Forschenden in der Übersichtsarbeit gemacht?
In den 23 Studien schauten die Forschenden, wie die Absicht zu kündigen mit Überlastung, Belohnungen und Anstrengungen zusammenhängt. Sie untersuchten außerdem, welche weiteren Merkmale der Angestellten dabei eine Rolle spielt.
Was haben die Forschenden in der Übersichtsarbeit untersucht?
Die Forschenden untersuchten unter anderem folgende Merkmale:
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Überlastung
- Zum Beispiel: Wie gut können Angestellte nach der Arbeit abschalten und sich entspannen?
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Belohnungen
- Zum Beispiel: Wie sehr fühlen sich Angestellte von ihren Vorgesetzten respektiert?
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Anstrengungen Zum Beispiel: Wie stark empfinden die Angestellten auf der Arbeit Zeitdruck?
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Haben die Teilnehmenden die Absicht, den Job zu kündigen?
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Merkmale der Teilnehmenden, zum Beispiel das Berufsfeld
Hinweis der KLARpsy-Autor:innen
Sollten Ihnen Begriffe in diesem Abschnitt nicht vertraut sein, finden Sie eine Erklärung im KLARpsy-Wörterbuch.
Was sind die wichtigsten Ergebnisse?
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Wer das Gefühl hat, dass sich Anstrengungen und Belohnungen nicht ausgleichen, beabsichtigt eher, den Job zu kündigen. Die
Korrelation r lag bei 0.33. Das ist ein mittelgroßer Zusammenhang. Das bedeutet: Je größer der Unterschied zwischen Anstrengungen und Belohnungen ist, desto größer ist die Absicht, den Job zu kündigen. -
Je überlasteter Personen sich fühlten, desto eher beabsichtigten sie, den Job zu kündigen. Die Korrelation r lag hier bei 0.26. Das ist ein kleiner Zusammenhang.
- Dabei spielte das Berufsfeld eine Rolle: Angestellte im Gesundheitsbereich hatten bei Überlastung eher die Absicht, den Job zu kündigen, als Angestellte in anderen Berufsfeldern.
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Je mehr eine Person das Gefühl hatte, sich auf der Arbeit sehr anstrengen zu müssen, desto eher beabsichtigte sie, den Job zu kündigen. Die Korrelation r lag hier bei 0.27. Das ist ein kleiner Zusammenhang.
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Je weniger belohnt sich die Personen fühlten, desto mehr beabsichtigten sie, den Job zu kündigen. Die Korrelation r lag hier bei 0.41. Das ist ein mittelgroßer Zusammenhang.
Wie lassen sich die Ergebnisse bewerten?
Was ist die Ursache für die Ergebnisse?
In der Übersichtsarbeit wurde der Zusammenhang zwischen der Absicht, den Job zu kündigen, und Überlastung, Belohnungen und Anstrengungen untersucht. Wegen der Art der Studien, die berücksichtigt wurden, weiß man nur, dass es diesen Zusammenhang gibt. Man kann aber nicht mit Sicherheit sagen, dass Überlastung, niedrige Belohnungen und hohe Anstrengungen auch die Ursache für die Absicht zu kündigen sind.
Sind die Ergebnisse durch eingeschränktes Veröffentlichen von Studien verzerrt?
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Worum geht es? Eindeutige Forschungsergebnisse lassen sich leichter veröffentlichen als uneindeutige Ergebnisse. Das ist für Übersichtsarbeiten problematisch. Sie können unveröffentlichte Ergebnisse nämlich nicht berücksichtigen.
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Was bedeutet das für die vorliegende Übersichtsarbeit? Die Forschenden fanden keine Hinweise auf solche Verzerrungen. Sie nehmen deshalb an, dass der Zusammenhang zwischen der Absicht zu kündigen und Überlastung, Anstrengungen und Belohnungen ähnlich groß ist, wie in ihrer Übersichtsarbeit berechnet.
Wie zuverlässig sind die Ergebnisse?
Die Forschenden geben zu bedenken, dass die Teilnehmenden zum überwiegenden Teil weiblich waren. Deshalb konnten die Forschenden keine verlässlichen Ergebnisse zu Unterschieden zwischen Männern und Frauen berechnen.
Welchen Alltagsbezug sehen die Forschenden in der Übersichtsarbeit?
Aus ihrer Übersichtsarbeit schließen die Forschenden, dass Kündigungen mit einem Ungleichgewicht zwischen Belohnungen und Anstrengungen zusammenhängen. Wenn sich Angestellte überlegen, zu kündigen, könnten vor allem verbesserte Belohnungen dabei helfen, sie im Job zu behalten.
Was ist noch zu beachten?
Wer hat die Übersichtsarbeit finanziert?
In der Übersichtsarbeit können keine Angaben dazu gefunden werden, wie diese finanziert wurde.
Berichten die Forschenden in der Übersichtsarbeit eigene Interessenkonflikte?
Die Forschenden berichten, dass keine