Worum geht es?
KLARpsy-Texte bereiten Forschungsergebnisse aus der Psychologie für die Öffentlichkeit auf. Dieser KLARpsy-Text wurde von Mitarbeitenden des Leibniz-Instituts für Psychologie verfasst. Der KLARpsy-Text fasst die Übersichtsarbeit mit dem Titel Cognitive and academic benefits of music training with children: A multilevel meta-analysis zusammen. Diese Übersichtsarbeit beinhaltet eine Metaanalyse. Die Übersichtsarbeit wurde 2020 veröffentlicht. Sie stammt von Giovanni Sala von der Fujita Health University aus Toyoake in Japan und Fernand Gobet von der London School of Economics and Political Science in Großbritannien.
Was war das Ziel der Übersichtsarbeit?
Hintergrund:
Manche behaupten, dass das Spielen eines Musikinstruments Kinder intelligenter macht, indem es die allgemeinen
Forschungsfrage:
Mit ihrer Übersichtsarbeit wollten die Forschenden herausfinden: Führt Musikunterricht zu besseren kognitiven Fähigkeiten bei Kindern?
Wie sind die Forschenden in der Übersichtsarbeit vorgegangen?
Welche Studien haben die Forschenden für die Übersichtsarbeit gesucht?
Die Forschenden suchten nach Studien, in denen Kinder an Musikunterricht teilnahmen. Es sollte ein für die Kinder geistig forderndes Musiktraining sein, zum Beispiel das Erlernen eines Instruments oder eine umfassende Musikerziehung. Die Studien mussten auch
Welche Studien haben die Forschenden für die Übersichtsarbeit gefunden?
Die Forschenden fanden 54 Studien aus den Jahren 1986 bis 2019. Insgesamt nahmen 6 984 Kinder teil. Die Kinder waren im Durchschnitt 6,5 Jahre alt. Der Musikunterricht umfasste im Durchschnitt 53 Stunden über 29 Wochen.
Was haben die Forschenden in der Übersichtsarbeit gemacht?
In den 54 Studien schauten die Forschenden, ob Musikunterricht bei Kindern zu besseren kognitiven Fähigkeiten führt. Sie untersuchten auch, ob dabei eine Rolle spielt, ob die Studien
Was haben die Forschenden in der Übersichtsarbeit untersucht?
Die Forschenden haben folgende Merkmale gemessen:
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Hatten die Kinder Musikunterricht?
- Ja
- Nein, sie waren in einer
Kontrollgruppe
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Kognitive Fähigkeiten
- Zum Beispiel mathematische Fähigkeiten, Gedächtnisleistung, Sprachverständnis
-
Merkmale der Studien
- Wie die Kinder dem Musikunterricht oder der Kontrollgruppe zugeteilt wurden:
-
Zufällig - nicht zufällig
-
- Was die Kinder in der Kontrollgruppe machten
- Zum Beispiel: Die Kinder hatten keinen zusätzlichen Unterricht (
Wartekontrollgruppe ) oder die Kinder lernten etwas Neues, beispielsweise Tanzen (aktive Kontrollgruppe )
- Zum Beispiel: Die Kinder hatten keinen zusätzlichen Unterricht (
- Wie die Kinder dem Musikunterricht oder der Kontrollgruppe zugeteilt wurden:
Hinweis der KLARpsy-Autor:innen
Sollten Ihnen Begriffe in diesem Abschnitt nicht vertraut sein, finden Sie eine Erklärung im KLARpsy-Wörterbuch.
Was sind die wichtigsten Ergebnisse?
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In einer ersten Analyse führte Musikunterricht zu besseren
kognitiven Fähigkeiten . DieEffektstärke Hedges g betrug 0.18. Das ist ein kleiner Effekt. Das bedeutet, dass Kinder nach dem Musikunterricht leicht bessere kognitive Fähigkeiten zeigten als Kinder, die keinen Musikunterricht hatten. -
In einer zweiten Analyse zeigte sich, dass dieser Effekt nicht stabil war. Denn:
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Es spielte eine Rolle, womit Musikunterricht verglichen wurde. Wenn die Kontrollgruppe keinen zusätzlichen Unterricht hatte, betrug die Effektstärke Hedges g 0.22. Das ist ein kleiner Effekt. Das bedeutet, dass Kinder nach Musikunterricht leicht bessere kognitive Fähigkeiten hatten als Kinder, die keinen zusätzlichen Unterricht hatten. Wenn allerdings Musikunterricht mit Unterricht verglichen wurde, in dem Kinder ebenfalls etwas Neues lernten, dann zeigte sich kein bedeutsamer Unterschied zwischen den kognitiven Fähigkeiten der Kinder mit und ohne Musikunterricht.
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Außerdem spielte es eine Rolle, ob die Studien
randomisiert waren. Wenn die Studien die Kinder zufällig auf die Gruppen mit Musikunterricht oder anderen Unterricht aufteilten, fand sich kein bedeutsamer Unterschied in den kognitiven Fähigkeiten der Kinder mit und ohne Musikunterricht. -
Es spielte keine Rolle, welche kognitiven Fähigkeiten gemessen wurden oder ob Schulleistungen anstelle von kognitiven Fähigkeiten untersucht wurden.
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Wie lassen sich die Ergebnisse bewerten?
Was ist die Ursache für die Ergebnisse?
In der Übersichtsarbeit wurde der Unterschied in den
Sind die Ergebnisse durch eingeschränktes Veröffentlichen von Studien verzerrt?
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Worum geht es? Eindeutige Forschungsergebnisse lassen sich leichter veröffentlichen als uneindeutige Ergebnisse. Das ist für Übersichtsarbeiten problematisch. Sie können unveröffentlichte Ergebnisse nämlich nicht berücksichtigen.
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Was bedeutet das für die vorliegende Übersichtsarbeit? Die Forschenden fanden Hinweise auf solche Verzerrungen. Sie haben sich bemüht, diese Verzerrungen zu berücksichtigen. Sie nehmen deshalb an, dass der Unterschied in den kognitiven Fähigkeiten zwischen Kindern mit und ohne Musikunterricht tatsächlich ähnlich unbedeutend ist wie in ihrer Übersichtsarbeit berechnet.
Wie zuverlässig sind die Ergebnisse?
Wurden alle Studien berücksichtigt, gab es einen kleinen Unterschied in den kognitiven Fähigkeiten zwischen Kindern mit und ohne Musikunterricht. Bei
Welchen Alltagsbezug sehen die Forschenden in der Übersichtsarbeit?
Auch wenn Musikunterricht dieser Übersichtsarbeit nach nicht allgemein bessere kognitive Fähigkeiten verursacht, kann musikalische Erziehung trotzdem wertvoll für Kinder sein. Die Forschenden betonen, dass Musikunterricht Kindern dabei helfen könnte, sich sozialer zu verhalten oder Selbstbewusstsein aufzubauen. Um dies mit Sicherheit sagen zu können, benötigt es allerdings mehr Forschung.
Was ist noch zu beachten?
Wer hat die Übersichtsarbeit finanziert?
In der Übersichtsarbeit können keine Angaben dazu gefunden werden, wie diese finanziert wurde.
Berichten die Forschenden in der Übersichtsarbeit eigene Interessenkonflikte?
Die Forschenden machen keine Angaben dazu, ob bei ihnen ein