Worum geht es?
KLARpsy-Texte bereiten Forschungsergebnisse aus der Psychologie für die Öffentlichkeit auf. Der KLARpsy-Text fasst die Übersichtsarbeit mit dem Titel Facial emotion recognition in sleep deprivation: A systematic review and meta-analysis zusammen. Der KLARpsy-Text wurde von Jagoda van Alst und Mitarbeitenden des Leibniz-Instituts für Psychologie gemeinsam verfasst. Diese Übersichtsarbeit beinhaltet eine Metaanalyse. Die Übersichtsarbeit wurde 2023 veröffentlicht. Sie stammt von Mengyuan Li und zwei weiteren Forschenden von der Peking University School of Nursing in China.
Was war das Ziel der Übersichtsarbeit?
Hintergrund:
Schlafmangel verändert die Aktivität in Bereichen des Gehirns, die Gefühle verarbeiten. Zudem können Menschen mit Schlafmangel Zeichen von Bedrohung und Sicherheit nicht gut unterscheiden. Wie stark das Erkennen von Gefühlen im Gesicht anderer Menschen betroffen ist, ist aber noch unklar.
Forschungsfrage:
Mit ihrer Übersichtsarbeit wollten die Forschenden herausfinden: Wie beeinflusst Schlafmangel die Genauigkeit, die Reaktionszeit und die Stärke, mit der positive und negative Gefühle im Gesicht erkannt werden?
Wie sind die Forschenden in der Übersichtsarbeit vorgegangen?
Welche Studien haben die Forschenden für die Übersichtsarbeit gesucht?
Die Forschenden wollten herausfinden, ob sich das Erkennen von Gefühlen im Gesicht bei Menschen mit Schlafentzug im Vergleich zu Menschen mit ausreichend Schlaf unterscheidet. Dazu suchten sie nach Studien, die das Erkennen von Gefühlen im Gesicht mit einer oder mehreren Aufgaben erfassten. Die Menschen mit Schlafmangel mussten entweder eine Schlafstörung haben oder im Rahmen eines
Welche Studien haben die Forschenden für die Übersichtsarbeit gefunden?
Die Forschenden fanden insgesamt 12 Studien aus den Jahren 2008 bis 2021, deren Ergebnisse sie mit einer Metaanalyse zusammenfassen konnten. Insgesamt sind das Ergebnisse von 414 Personen mit Schlafmangel und 399 Menschen mit ausreichend Schlaf. Die genauen Aufgaben zum Erkennen von Gefühlen unterschieden sich von Studie zu Studie. Beispielsweise mussten Teilnehmende in einer Studie bei 165 Bildern einschätzen, ob sie gefühlsmäßig eher positiv oder negativ waren. Je nach Experiment konnten die Teilnehmenden auch unterschiedlich viel üben. Die Gesamtzeit für das Erkennen der Gefühle schwankte aus diesen Gründen. In einer Studie lag sie zum Beispiel im Mittel zwischen gut 1400 Millisekunden und etwa 2100 Millisekunden. Zur Zeit für das Erkennen von Gefühlen über alle Studien hinweg machen die Forschenden in ihrer Übersichtsarbeit keine Angabe.
Was haben die Forschenden in der Übersichtsarbeit untersucht?
Folgende Merkmale wurden untersucht:
-
Leiden die Menschen unter Schlafmangel?
- Ja,
experimenteller Schlafentzug oderInsomnie - Nein, Menschen mit ausreichend Schlaf
- Ja,
-
Art der Gefühle im Gesicht
- Zum Beispiel: Freude, Wut, Angst, Traurigkeit
-
Merkmale der Erkennung von Gefühlen im Gesicht
- Genauigkeit: Die Genauigkeit, mit der die Gefühle richtig erkannt werden
- Zeit: Die Dauer, bis die Gefühle erkannt werden
- Stärke: Die Stärke mit der die Gefühle bewertet werden
Hinweis der KLARpsy-Autor:innen
Sollten Ihnen Begriffe in diesem Abschnitt nicht vertraut sein, finden Sie eine Erklärung im KLARpsy-Wörterbuch.
Was sind die wichtigsten Ergebnisse?
-
Die Genauigkeit im Erkennen der Gefühle im Gesicht unterschied über alle Gefühle hinweg nicht bedeutsam zwischen Menschen mit Schlafmangel und Menschen mit ausreichend Schlaf.
-
Menschen mit Schlafmangel brauchten mehr Zeit, um Gefühle im Gesicht zu erkennen, als Menschen mit ausreichend Schlaf. Im Durchschnitt brauchten sie 70 Millisekunden länger als Menschen ohne Schlafmangel. Dieser Unterschied war bedeutsam.
-
Die Stärke der Bewertung der Gefühle unterschied sich nicht bedeutsam zwischen Menschen mit Schlafmangel und Menschen mit ausreichend Schlaf.
Welchen Alltagsbezug sehen die Forschenden in der Übersichtsarbeit?
Menschen mit Schlafmangel brauchen mehr Zeit, um Gefühle zu erkennen. Es kann sein, dass es dadurch für sie im Alltag schwieriger ist sich von negativen Gefühlen abzulenken. Das Erlernen von Ablenkungsstrategien könnte möglicherweise Menschen mit Schlafmangel bei Problemen mit ihren Gefühlen helfen.
Wie lassen sich die Ergebnisse einordnen?
Was ist die Ursache für die Ergebnisse?
In der Übersichtsarbeit wurden Unterschiede zwischen Menschen mit und ohne Schlafmangel und dem Erkennen von Gefühlen im Gesicht beobachtet. Wegen der Art der Studien, die berücksichtigt wurden, weiß man nur, dass es Unterschiede gibt. Man kann aber nicht sicher sagen, dass Schlafmangel auch die Ursache für die geringere Reaktionszeit, mit der Gefühle im Gesicht erkannt werden, ist.
Sind die Ergebnisse durch Publication Bias verzerrt?
Die Forschenden fanden keine Hinweise auf
Wie zuverlässig sind die Ergebnisse?
Die Forschenden geben zu bedenken: Es gibt noch andere Arten Schlafmangel, die sie in ihrer Übersichtsarbeit nicht untersucht haben. Zum Beispiel Schlafmangel durch andere Schlafstörungen als
Was ist noch zu beachten?
Wer hat die Übersichtsarbeit finanziert?
Die Erstellung der Übersichtsarbeit wurde durch die Beijing Natural Science Fundation, dem General Project of National Social Science Foundation und dem National Key R&D Program of China finanziert. Dieses sind Programme und Stiftungen, die Forschung in China fördern.
Berichten die Forschenden in der Übersichtsarbeit eigene Interessenkonflikte?
Die Forschenden berichteten, dass keine