Worum geht es?
KLARpsy-Texte bereiten Forschungsergebnisse aus der Psychologie für die Öffentlichkeit auf. Dieser KLARpsy-Text wurde von Mitarbeitenden des Leibniz-Instituts für Psychologie verfasst. Der KLARpsy-Text fasst die Übersichtsarbeit mit dem Titel Intuitive eating and its psychological correlates: A meta-analysis zusammen. Diese Übersichtsarbeit beinhaltet eine Metaanalyse. Die Übersichtsarbeit wurde 2021 veröffentlicht. Sie stammt von Jake Linardon und zwei weiteren Forschenden von der Deakin University in Australien und der Ohio State University aus den USA.
Was war das Ziel der Übersichtsarbeit?
Hintergrund:
Forschungsfrage:
Mit ihrer Übersichtsarbeit wollten die Forschenden herausfinden: 1) Wie hängt intuitives Essen mit psychischem Wohlbefinden und der Wahrnehmung des eigenen Körpers zusammen? 2) Unterscheiden sich Männer und Frauen in intuitivem Essen?
Wie sind die Forschenden in der Übersichtsarbeit vorgegangen?
Welche Studien haben die Forschenden für die Übersichtsarbeit gesucht?
Die Forschenden suchten nach Studien, die Zusammenhänge zwischen
Welche Studien haben die Forschenden für die Übersichtsarbeit gefunden?
Die Forschenden fanden insgesamt 91 Studien aus dem Zeitraum von 2004 bis 2020, deren Ergebnisse sie in einer Metaanalyse zusammenfassen konnten. Je nach Art von psychologischem Wohlbefinden und der Wahrnehmung des Körpers wurden zwischen 798 und 28 916 Teilnehmende beobachtet. Die meisten Teilnehmenden in diesen Studien waren Frauen und kamen aus Europa oder Nordamerika. Nur 4 der 91 Studien untersuchten gezielt Menschen mit einer
Was haben die Forschenden in der Übersichtsarbeit gemacht?
In den 91 Studien schauten die Forschenden, wie intuitives Essen mit insgesamt 23 Merkmalen von hohem und niedrigem Wohlbefinden und der Wahrnehmung des Körpers zusammenhängt. Außerdem sahen sie sich an, ob sich Männer und Frauen unterschiedlich intuitiv ernährten. Sie untersuchten auch, ob Menschen ohne Essstörung sich intuitiver ernährten als Menschen mit Essstörung.
Was haben die Forschenden in der Übersichtsarbeit untersucht?
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Wie
intuitiv essen die Befragten?- wenig intuitiv bis sehr intuitiv
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psychisches Wohlbefinden und Wahrnehmung des Körpers
- positive Merkmale, zum Beispiel:
- Körperakzeptanz
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Selbstwertgefühl - Fähigkeit, auf die Signale des Körpers zu hören
- negative Merkmale, zum Beispiel:
- Sorgen und Gedanken um die eigene Figur
- Merkmale für gestörtes Essverhalten
- Neigung zu
Depression oder zu Ängsten
- positive Merkmale, zum Beispiel:
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Geschlecht
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Vorliegen einer
Essstörung
Hinweis der KLARpsy-Autor:innen
Sollten Ihnen Begriffe in diesem Abschnitt nicht vertraut sein, finden Sie eine Erklärung im KLARpsy-Wörterbuch.
Was sind die wichtigsten Ergebnisse?
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Je intuitiver das Essverhalten der Personen war, desto höher war das psychische Wohlbefinden und umso besser die Wahrnehmung des Körpers. Hierzu gehörten die Körperakzeptanz, das Selbstwertgefühl, die Wertschätzung des eigenen Körpers und die Wahrnehmung der Körpersignale. Die
Korrelation r betrug je nach Merkmal zwischen 0.20, was einem kleinen Zusammenhang entspricht und 0.58, was einem großen Zusammenhang entspricht. -
Je intuitiver das Essverhalten war, desto weniger Sorgen um das eigene Aussehen und die Figur, Depressionen, Ängste und Merkmale von gestörtem Essverhalten zeigten die Personen. Die Korrelationen betrugen zwischen 0.23 und 0.59. Auch dies sind kleine bis große Zusammenhänge.
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Männer ernährten sich intuitiver als Frauen. Die Effektstärke
Cohens d betrug 0.39. Das entspricht einem kleinen Unterschied. Umgerechnet auf 100 Männer bedeutet dies: 65 von 100 Männern ernährten sich intuitiver, als es durchschnittlich bei Frauen der Fall war. -
Menschen ohne
Essstörung ernährten sich intuitiver als Menschen mit Essstörung. Die Effektstärke Cohens d betrug 1.80. Das entspricht einem sehr großen Unterschied. Umgerechnet auf 100 Menschen ohne Essstörung bedeutet dies: 96 von 100 Menschen ohne Essstörung ernährten sich intuitiver, als es durchschnittlich bei Menschen mit Essstörung der Fall war.
Wie lassen sich die Ergebnisse bewerten?
Was ist die Ursache für die Ergebnisse?
In der Übersichtsarbeit wurden Zusammenhänge zwischen
Sind die Ergebnisse durch eingeschränktes Veröffentlichen von Studien verzerrt?
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Worum geht es? Eindeutige Forschungsergebnisse lassen sich leichter veröffentlichen als uneindeutige Ergebnisse. Das ist für Übersichtsarbeiten problematisch. Sie können unveröffentlichte Ergebnisse nämlich nicht berücksichtigen.
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Was bedeutet das für die vorliegende Übersichtsarbeit? Die Forschenden machen keine Angaben dazu, ob es Hinweise auf solche Verzerrungen gibt. Ob die Zusammenhänge zwischen intuitiver Ernährung und psychischem Wohlbefinden sowie der Wahrnehmung des Körpers tatsächlich kleiner sind als in dieser Übersichtsarbeit berechnet, bleibt damit unklar.
Wie zuverlässig sind die Ergebnisse?
Die Forschenden geben zu bedenken, dass die Teilnehmenden selbst über ihr Essverhalten berichteten. Das kann zu Verzerrungen führen, wenn die Personen nicht ehrlich sind. Die meisten Studien untersuchten außerdem Frauen aus Europa oder Nordamerika. Dadurch lassen sich die Ergebnisse nicht einfach auf Personen aus verschiedenen Kulturen verallgemeinern.
Welchen Alltagsbezug sehen die Forschenden in der Übersichtsarbeit?
Auch wenn die Ergebnisse ihrer Übersichtsarbeit vielversprechend sind, sagen die Forschenden, dass weitere Forschung notwendig ist, um Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge zu belegen. Das könnten zum Beispiel Studien sein, in der eine Gruppe von Personen an einem Programm zum intuitiven Essen teilnimmt und eine andere Gruppe nicht. Erst wenn sich hier ein Unterschied zeigt, kann die Förderung
Was ist noch zu beachten?
Wer hat die Übersichtsarbeit finanziert?
In der Übersichtsarbeit können keine Angaben dazu gefunden werden, wie diese finanziert wurde.
Berichten die Forschenden in der Übersichtsarbeit eigene Interessenkonflikte?
Die Forschenden berichten, dass keine